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Die Geschichte der Lancaster

Die Lancaster waren wohl die wichtigsten Bomber der RAF im Zweiten Weltkrieg, spielten sie doch bei den Grossangriffen auf deutsche Städte bei Nacht eine wichtige Rolle.

Farbzeichnung Lancaster

Lancaster Merkmale

Lancaster Frontansicht

Lancaster Seitenansicht

Montagehalle der Lancaster. (122)

Die Lancaster waren wohl die wichtigsten Bomber der RAF im Zweiten Weltkrieg, spielten sie doch bei den Grossangriffen auf deutsche Städte bei Nacht eine wichtige Rolle. Die Konstruktionsarbeiten wurden im Jahre 1936 bei A.V. Roe Ltd. in Chadderton Manchester vorgenommen. Das britische Air Ministry verlangte in ihrer Spezifikation P.13/36 einen neuen taktischen Bomber mittlerer Grösse. Er sollte leistungsfähiger sein als die Vickers Wellington und die Armstrong Whitley und musste in der Lage sein eine schwere Bombenlast oder zwei Torpedos oder viel Treibstoff mit sich zu führen. Anstelle der vier Motoren von je 800/1000 PS, die damals gerade herauskamen, wurden zwei stärkere Triebwerke vorgeschlagen.

Es wurden sehr viele Konstruktionen eingereicht, darunter auch die Avro 679 Manchester. Der selbsttragende Mitteldecker wurde von zwei 1750 PS Rolls-Royce Vulture Motoren angetrieben. Avro hatte noch nie zuvor ein Flugzeug dieser Art gebaut und noch nie eine Maschine die der 679 gewichts- und leistungsmässig auch nur im entferntesten glich. Am 25.Juli 1939 startete das Flugzeug von Ringway (heute Manchester) aus zu seinem Erstflug. Obwohl die Richtungsstabilität und die zu schwachen Motoren bemängelt wurden, gab es auch einige sehr gute Eigenschaften. Nachdem die Maschine durch Verlängerung der Aussenflügel in ihrer Gesamtspannweite von 24,43 m auf 27,46 m verbreitert worden war, konnte sie problemlos geflogen werden. Das Flugzeug war zweifellos der beste neue britische Bomber, denn er war einfach und leicht zu bauen und beim Bodenpersonal wegen seiner guten Zugänglichkeit sehr beliebt.

Im November 1940 wurde die No. 207 Squadron des Bomber Command mit der Manchester I ausgerüstet, deren Motoren jedoch eine verheerende Leistung aufwiesen und äusserst unzuverlässig waren.
Es musste unbedingt etwas unternommen werden, und zwar schnell. Nicht nur bei Avro, sondern auch bei Metropolitan-Vickers verliessen immer mehr Manchester die Fertigungsstrassen. Rolls-Royce hatte einen Vulture Motor von über 2000 PS gebaut, aber die Zeit war zu kurz, ihn auch zuverlässig zu machen. Avro versuchte, die Manchester mit zwei Napier Sabre Motoren oder zwei Bristol Centaurus Sternmotoren zu fliegen, aber der energische Chef von Rolls-Royce, E.H. Hives, winkte ab und unterbreitete dem Air Ministry einen Plan für eine Manchester mit vier Merlin Motoren.

Der Merlin X war soeben als ein eigenständiges Teil konstruiert worden, das angeschraubt werden konnte, ohne dass Avro grosse Änderungen vornehmen musste. So entstand Ende 1940 innerhalb von drei Wochen unter dem Chefkonstrukteur Roy Chadwick die Manchester III. Man nahm dazu einfach eine Manchester II von der Fertigungsstrasse, verlängerte die Tragflächen und hängte vier Motoren daran. Die Maschine wurde am 9. Januar 1941 von Capt. H. A. Sam Brown von Ringway aus geflogen. Inzwischen wurde die viermotorige Maschine vom Typ 683 in Lancaster I umbenannt. Die Testflüge der ersten Lancaster verliefen ausserordentlich reibungslos. Das Flugverhalten war hervorragend, und die Leistungen übertrafen alle Voraussagen. Chadwick konnte sich die erstaunlich guten Daten nicht erklären. Schon am 27. Januar 1941, nur 18 Tage nach seinem Erstflug, wurde der erste Prototyp an das Aeroplane und Armament Experimental Establishment in Boscombe Down geliefert, wo er die beste Beurteilung erhielt, die je über ein neues Flugzeug abgegeben worden war. Es wurde sofort angeordnet, mit der Produktion der Lancaster zu beginnen, und zwar sollten zuerst die sich bereits auf der Montagestrasse befindlichen Manchester zu Lancaster umgebaut werden.

Chadwick war immer noch nicht zufrieden. Er schickte ein Zeichnerteam von Chadderton in die Flugzeughallen von Woodford, wo die Avro Bomber zusammengebaut wurden. Um die Systeme, die Panzerung und viele andere Details zu verbessern mussten zahlreiche Änderungen vorgenommen werden.
Die erste Lancaster Serienmaschine war die L7527, die am 31. Oktober 1941 mit Merlin XX Motoren von je 1280 PS anstelle der früher verwendeten Merlin X von 1145 PS geflogen wurde. Die ersten Lancaster hatten von der Manchester auch noch den G Stand auf der Rumpfunterseite für zwei MG übernommen. Dieser wurde jedoch nur selten verwendet und bald darauf auch weggelassen. Wer hätte damals auch gedacht, dass 1943-1945, als jede Nacht Dutzende von Lancaster von deutschen Ju 88 und Bf 110 abgeschossen wurden, nur diese Kanzel etwas genutzt hätte!

Die Produktion ging gut voran, nachdem Anfang 1942 die Lancaster Production Group gegründet wurde. Einschliesslich der Subunternehmer beschäftigte diese Gruppe 131`000 Personen. Im August 1943 konnten insgesamt 293 neue Flugzeuge geliefert werden. Nach einem gewagten und unüberlegten Tagesangriff durch zwölf Flugzeuge am 17. April 1942 machte die Lancaster auf der ganzen Welt von sich reden. Die Bomber der No.44 und No.97 Squadron flogen im Tiefflug über ganz Deutschland, um ein paar Bomben auf das MAN-Werk in Augsburg abzuwerfen, das Dieselmotoren herstellte. Der Grund für diesen unverständlichen Einsatz, der sieben Flugzeuge kostete, wurde nie bekannt gegeben. Immer mehr Lancaster machten sich jetzt Nacht für Nacht auf den Weg und warfen ihre Bomben ab. Schon bald trugen die Lancaster in einer grossen Kuppel an der Stelle, wo sich früher die Unterrumpf MG befunden hatten, ein H2S Messradar und auch die wichtige Gee-Navigationshilfe. 1944 wurden sie mit dem noch genaueren Gee-H-System ausgerüstet, das auch von Pfadfinder- und Zielmarkierungsflugzeugen verwendet wurde. Dutzende von Lancaster erhielten als erste britische Maschinen eine elektronische Störeinrichtung wie das Funkstörgerät "Airborne Cigar" mit dem die No.101 Squadron ausgerüstet war. Dank der ursprünglichen Spezifikation aus dem Jahr 1936, die Torpedos verlangte, erbte die Lancaster von der Manchester einen riesigen Bombenschacht. Nachdem dieser etwas verstärkt worden war, konnte er die schwersten und grössten Bomben aufnehmen, die im Zweiten Weltkrieg verwendet wurden, darunter die regelmässig verwendete 1814 kg schwere "Cookie", die doppelt so lange 3629 kg Bombe, die 5443 kg schwere aber schlanke "Tallboy, die tief ins Ziel eindringen konnte, die von B.N.Wallis konstruiert worden war und mit der die Tirpitz versenkt wurde, die noch grössere 9979 kg schwere Grand Slam und die von Wallis speziell zur Zerstörung der deutschen Staudämme entworfene Bombe.

Ab Ende 1943 wurden normalerweise die breiten Schaufelblattpropeller verwendet, die das Flugverhalten beim Start und im Steigflug verbesserten. Ausserdem wurde zur Warnung vor Jägern der Luftwaffe ein Monica Radar ins Heck eingebaut. Erst als eine Ju 88 Nachtjäger erbeutet wurde entdeckte man, dass das Monica Radar eigentlich eine Todesfalle war, da seine Radarstrahlen den Nachtjägern ein leicht anzupeilendes Ziel boten. Die letzten Versionen, die im Krieg gebaut wurden, waren die MK I (FE), die von der Tiger Force im Fernen Osten gegen Japan eingesetzt wurden. Von allen Versionen zusammen wurden insgesamt 7377 Maschinen hergestellt.



Technische Daten Avro Lancaster I

Triebwerk vier 24-Zylinder Reihenmotoren
Typ Rolls-Royce Merlin XX
Leistung 1640 PS
Spannweite 31,09 m
Länge 21,18 m
Höhe 6,25 m
Flügelfläche 120,49 m2
Leergewicht 16783 kg
Fluggewicht 30845 kg
Max.Geschwindigkeit 442 km/h
Reisegeschwindigkeit 322 km/h
Steiggeschwindigkeit -
Gipfelhöhe 5790 m
Reichweite 4072 km
Besatzung -




 
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