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Beschädigtes Steuer

Nachdem zum zweiten Mal die Sirenen ertönten, erschien in unserer Gegend ein Liberator-Bomber, begleitet von unseren Jagdfliegern.

Nachdem zum zweiten Mal die Sirenen ertönten, erschien in unserer Gegend ein Liberator- Bomber in einer Höhe von etwa 2000 Meter, begleitet von unseren Jagdfliegern. Der Bomber kreiste immer in der gleichen Höhe, so dass wir die Vermutung hegten, dass das Steuer beschädigt sein müsse, was sich dann bestätigte, als gegen 10.45 Uhr das erste Besatzungsmitglied mit dem Fallschirm das Flugzeug verliess. Dann folgte ein Absprung nach dem anderen, und bald zählten wir im Äther nicht weniger als fünf Fallschirme, die langsam zur Erde niedergingen, während der Bomber immer noch seine grosse Schleife zog. Der erste Fallschirm ging in der Nähe von Nürensdorf nieder, der zweite bei Opfikon und der dritte direkt neben der Hauptstrasse Bassersdorf-Dietlikon. Zwei weitere Besatzungsmitglieder landeten auf einem Feld zwischen Rieden und Dietlikon. Als wir auf dem Platz bei Bassersdorf erschienen, war der Fallschirmspringer damit beschäftigt, sich aus den Gurten des Fallschirms zu befreien. Als kräftiger, hochgewachsener Amerikaner reichte er den umstehenden Offizieren und Soldaten die Hand, indem er sprach: "Happy End!". Dann entledigte er sich seiner dicken Kleidung, griff in eine Tasche, aus der er das amerikanische Fliegerabzeichen nahm, und befestigte dieses wieder an seiner Mütze, denn er wusste jetzt, dass er sich auf Schweizerboden befand.

Unterdessen kreiste der Bomber immer noch in der gleichen Höhe und machte keinerlei Anstalten, dass er auf dem Flugplatz Dübendorf landen wolle. Zirka um 11.35 Uhr eröffneten dann die zwei begleitenden Jagdflugzeuge das Feuer auf die Maschine, und sofort konnte man eine Rauchentwicklung wahrnehmen, die immer stärker wurde. Plötzlich zischte aus dem rechten Flügel eine Stichflamme, begleitet von einer heftigen Detonation. Der Flügel löste sich vom Rumpf, und die ganze Maschine stürzte brennend, in viele Teile zerrissen, zur Erde, wobei immer noch das Surren der Motoren hörbar war. Wir vermuteten sofort, dass die Stücke in der Gegend von Lindau niedergehen würden, was sich dann bestätigte, als wir dort erschienen. Etwas rechts der Strasse vor dem Dorfeingang bohrte sich ein Motor ca. drei bis vier Meter in den Boden hinein. Vor der Abzweigung der Dorfstrasse lag auf dem Asphalt ein Flügelstück, rechts davon ein brennender Trümmerhaufen, woraus ununterbrochen Schüsse losgingen. 50 Meter weiter hinten lag auf einer Wiese das mächtige Schwanzsteuer, und in einem Gemüseacker nebenan der rechte Flügel mit brennendem Motor. Am Ausgang des Dorfes gegen Nürensdorf riss ein Motor mit dem Propeller einen Krater von vier Meter Breite auf und schleuderte die Erde bis 50 Meter von sich weg. Der Rumpf der Maschine bohrte sich oberhalb des Dorfes, in der Nähe einer Liegenschaft, in den Boden. Kurzum, in einem Umkreis von 500 Metern lagen hunderte von Teilen des Bombers, die teilweise mit einer Motorspritze gelöscht werden mussten. Wie durch ein Wunder wurde Lindau vor einer Katastrophe bewahrt, denn die brennenden Stücke gingen teilweise nur wenige Meter von Gebäuden entfernt nieder, aber das ganze Dorf ist mit Metallstücken bestreut worden.

Das führerlose Flugzeug wurde, wie wir einem weiteren Bericht entnehmen, von unseren Fliegern und unserer Flab beschossen und begann darauf zu brennen. In diesem Augenblick schwebte es etwa 1200 Meter über dem Dorf, als es plötzlich einen lauten Knall gab und eine Stichflamme den Riesenvogel einhüllte. Dann klappte er wie eine Spielzeug-Schachtel zusammen und die brennenden Teile wurden in alle Richtungen geschleudert. Zu-erst sauste ein brennender Motor nieder und grub sich etwa 20 Meter von einem Kind entfernt in eine Wiese ein. Dann folgten zwei brennende Benzintanks, die neben der Strasse und einem Schuppen landeten. Mit einem furchtbaren Knall sauste dann der Rumpf ausserhalb der Häuser in eine Wiese zur hellen Flamme emporlodernd nieder. Die Munition begann knatternd zu explodieren. Kleinere Flugzeugbestandteile wurden über das ganze Dorf verstreut. Die grossen Trümmerhaufen aber lagen ausserhalb der Häuser, wo sie ohne Schaden anzurichten von der Dorffeuerwehr und der Motorspritze der Maggifabrik gelöscht werden konnten. Die Bewohner atmeten sichtbar auf als die grosse Gefahr vorüber war.



 
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