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Ballastabwurf einer B-17 über Niederbüren

Am 24. April 1944 warf ein amerikanischer Bomber auf der Flucht vor deutschen Jagdfliegern über Niederbüren Ballast ab und landete kurz danach in Neftenbach-Winterthur.

In minutiöser Kleinarbeit und unzähligen Stunden des Recherchierens in Archiven und durch Personenbefragungen ist es Josef Schoch, Bischofszell gelungen, diese fliegende Festung zu identifizieren und alle Details über den Ballast-Abwurf und die Bergung in Niederbüren, Besatzung, Pilotenbericht und Inventarisierung nach der Notlandung, mit Zeitungsberichten, Fotos und Dokumenten und sogar einem Geheimbericht des Bundesarchivs zu belegen. Daraus ist eine sehr interessante knapp vierzigseitige Dokumentation entstanden. Viele Zeitzeugen berichten darin über dieses einmalige Ereignis und den denkwürdigen Tag.

Ausländische Flugzeuge über der Schweiz
Immer wieder verletzten ausländische Flugzeuge während des 2. Weltkrieges 1939-1945 den schweizerischen Luftraum. Die Flugzeuge landeten in der Schweiz oder stürzten ab. Am 13. August 1943, um 16.20 Uhr musste erstmals in der Schweiz ein amerikanischer Bomber B-24 D Liberator "Death Dealer" Nr. 240611 eine Notlandung in der Thurau bei Wil SG vornehmen. Weil die Besatzung glaubte, auf feindlichem Gebiet zu sein, zerstörten sie die Maschine sofort, um keine militärischen Geheimnisse zu verraten. Insgesamt landeten in der Schweiz 82 Bomber B-24 Liberator und 76 Bomber B-17 Fliegende Festungen.

Montag, 24. April 1944
Im Morgengrauen verlassen 524 Bomber B-17 Flying Fortress und 230 Bomber B-24 Liberator unter der Eskorte von 867 Jägern P-38, P-47 und P-51 der 8 th Air force, 306th Bomb Group 423rd Squadron aus USA, die Basis Thurleigh in England zum 19. Flug mit Ziel Deutschland. Fünf Ziele in der Umgebung von München, darunter der Testflugplatz der Dornier Flugzeugwerke in Oberpfaffenhofen und ein Ziel in Friedrichshafen sollten bombardiert werden. Vierzig Bomber und siebzehn Jäger kehrten nicht mehr zurück, vierzehn konnten sich in die Schweiz retten.
Der Bomber, der später Niederbüren überflog, hatte als Ziel Oberpfaffenhofen. Dabei wurde er von deutschen Jagdflugzeugen überrascht, welche zwei Motoren ausser Betrieb schossen. Jetzt mussten die Bomben im Notabwurf abgegeben werden. Es war aussichtslos, nach England zurückzukehren, also versuchte man, in die Schweiz zu gelangen. Pausenlos griffen die deutschen Jäger das angeschossene Flugzeug an, doch gelang es den tapferen Bordschützen, nicht weniger als sieben der neun Angreifer abzuschiessen, bis die Schweizer Grenze erreicht war. Dann schoss die Schweizer Fliegerabwehr auf den Bomber und durchlöcherte die Flügel.

Kurz nach 12.00 Uhr wurde in der Ostschweiz Fliegeralarm ausgelöst. In knapp 300m Höhe überquerte der gejagte Bomber den Bodensee Richtung Bischofszell-Niederbüren und suchte einen Landeplatz. Infolge weiterem Höhenverlust warf das Flugzeug in Niederbüren folgenden Ballast ab: den unten liegenden drehbaren Kugel-Geschützstand und aus dem Funkerraum zwei Maschinengewehre und Munition, sowie ganze Munitionsgurten. Der Bomber B-17 war oben, unten, vorne, hinten und auf beiden Seiten bestückt mit Bordkanonen hinter Plexiglas. Beim Abwurf entstand weder an Personen noch an Gebäuden irgendein Schaden. Um 14.05 erfolgte die Bruchlandung in Neftenbach. Die zehnköpfige Besatzung wurde sofort interniert und die fluguntüchtige fliegende Festung später in der Schweiz verschrottet.

Bomber-Schaffner
Kurz geht Schoch auch auf die Rationierung während dem 2. Weltkrieg ein. Ein Kapitel widmet er dem "Bomber-Schaffner", wie Martin Schaffner genannt wurde, der am 5. Oktober 1965 gestorben ist und über die Landesgrenzen hinaus als Bergungsfachmann einen Namen hatte. 1952 hob er den US Bomber B-17G-30-DL mit selbst entwickelten Geräten aus dem Zugersee. Ein Motor und ein Rad eines Bombers stehen noch heute vor dem Firmengebäude der Schaffner AG in Müllheim TG. Aus dem Bodensee hat Schaffner geborgen: 5 Bomber am deutschen Bodensee-Ufer, 1 DC 3 der Swissair, 2 P-16 vor Rorschach, 1 Vampire, 1 Taucherschiff "Jumbo" 1 deutsches Kiesschiff, zahlreiche Autos etc.

Die Dokumentation kann zum Preis von CHF 65.-- bezogen werden bei: Josef Schoch, Breiestrasse. 15, 9220 Bischofszell, Tel. 071 422 22 84, E-Mail: j.schobi@bluewin.ch

Ortswehr Niederbüren 1944
1 Furrer Jakob Husen Webermeister
2 Kern Johann Rechnungsführer. Dorf Kantons - Wegmacher
3 Niederhäuser Ernst Unterdorf Maurer
4 Röllin Karl Hauptstrasse Käser - Gemeindamann
5 Meier Jakob Oberdorf Wagnerei
6 Eigenmann Alois Oberdorf Metzgerei
7 Böhi Ferdinand Hof Landwirt
8 Harder Paul Dorf Landwirt
9 Caviezel Jakob Geisberg Landwirt
10 Vogel Johann Oberdorf Hausierer
11 Ritz Jakob Gauhusen Landwirt
12 Grünenfelder Johann Moos Landwirt
13 Oswald Josef Hauptstrasse
14 Jung Eugen Rätenberg Landwirt
15 Stirnimann Alfons Rätenberg Landwirt
16 Erei Bernhard Letten Landwirt
17 Schmucki Ferdinand Dorf Gemeinde - Wegmacher
18 Wagner Alois am Bach Landwirt - Velomechaniker
19 Latzer Josef Hauptstrasse Dorf laden
20 Eigenmann Alois Hauptstrasse Restaurant Kreuz - Landwirt
21 Lüber Emil Hof Landwirt
22 Wittwer Peter Husen Landwirt
23 Latzer Albert Hauptstrasse Maurer
24 unbekannt
25 Scheiwiller Josef Tobel Dachdecker-Spengler
26 Rieger Karl Paradies Landwirt
27 Hersche Josef Unterdorf Landwirt
28 Hüttenmoser Xaver Spitzen Landwirt
29 Harder Josef Schweizerhaus Landwirt



 
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