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Der Auszug der Bomber

Während des Weltkrieges suchten 166 amerikanische Flugzeuge Zuflucht in der Schweiz. Der Zustand der abgestellten Maschinen war sehr gut und wurden nach entsprechenden Überholungsarbeiten zurück geflogen. Nicht wieder reparierbare Maschinen wurden zerlegt und entsorgt.

Die als nicht reparierbaren Flugzeuge fielen dem Schneidbrenner zum Opfer. (441)

Diese B-17 verliess als erster Bomber die Schweiz. (440)

Bomberpark in Dübendorf. (439)

Wachtmeister Franz Schraner flog zusammen mit Oberst Karl Högger die meisten amerikanischen Flugzeuge. (442)









Während des Weltkrieges suchten 166 amerikanische Flugzeuge Zuflucht in der Schweiz, davon wurden 41 bei Abstürzen oder Bruchlandungen total zerstört. 39 Flugzeuge wiesen starke und weitere 86 Maschinen leichte Beschädigungen auf. Im November 1944 traf eine fünfköpfige Delegation in der Schweiz ein, um unseren Mechanikern und Spezialisten beim Unterhalt der Flugzeuge beratend zur Seite zu stehen. Der Delegationsleiter, Oberstleutnant Peter DePaolo, bezeichnete den Zustand der abgestellten Maschinen als sehr gut und befand, dass praktisch alle Maschinen nach entsprechenden Überholungsarbeiten zurückgeflogen werden könnten.

Als nicht wieder reparierbar wurden allerdings die 39 zerlegten Bomber und Jäger eingestuft, welche aus Platzmangel und aufgrund ihrer Beschädigungen von den Schweizern demontiert und in Hallen in Dübendorf und Kloten eingelagert worden waren. Diese Flugzeuge fielen nach dem Krieg dem Schneidbrenner zum Opfer. Das gewonnene Aluminium musste verzollt werden, ebenso wie die anderen in der Schweiz verbliebenen Teile der Bomber. Rekruten zerschnitten die Gummireifen, damit diese als reiner Gummi eingeführt werden konnten, lag doch der Zollansatz für Gummi weit unter dem der Reifen.!!
Bis Ende 1945 konnten 345t Aluminium an die Industrie abgegeben werden. Über eine halbe Million Schuss 12,7mm-Munition wurde im Beisein eines amerikanischen Sachverständigen in der Munitionsfabrik Altorf aufgelöst.

Weitere 120t Material, darunter Instrumente und persönliche Ausrüstungsgegenstände der Besatzungen, welche in Schweizer Zeughäusern eingelagert waren, wurden per Lastwagen nach Erding in Deutschland transportiert, in eine riesige Grube geschüttet und anschliessend angezündet. Unter der Fracht befanden sich auch 24 Bomben, welche in der Schweiz vorgefunden worden waren.

Beim Eintreffen des amerikanischen Bereitstellungsdetachementes mit vier C-87 Liberator und zwei Douglas C-47 ereignete sich am 18.August 1945 bei der Landung des ersten Flugzeuges ein schwerer Unfall, als die C-87 nach einem missglückten Durchstartmanöver in den Dietlikonerwald stürzte. Vier Mann der Besatzung fanden den Tod, nur zwei Soldaten konnten leicht verletzt geborgen werden. Die restlichen Maschinen brachten Werkzeuge aller Art, hydraulische Hebevorrichtungen, Kompressoren sowie Treib- und Schmierstoffe nach Dübendorf. Bis zum Ende der Überführungsaktion landeten weitere 290 amerikanische Transportflugzeuge und führten Besatzungen, Ersatzteile sowie 100`000 l Treibstoff ein. Über 120 amerikanische Soldaten unterstützt von 150 Mann der Swissair und der Flugwaffe, bemühten sich um die Reparaturen und Bereitstellungsarbeiten an den Flugzeugen.

Die Retablierungsarbeiten an den B-17 und B-24 erstreckten sich grösstenteils auf die Grundüberholung der Motoren sowie die Kontrolle der Instrumentenanlagen, der Funkgeräte, des Fahrwerkes und der Elektrik. An 19 B-17 und 25 B-24 mussten Motorenwechsel vorgenommen werden, dabei kamen Triebwerke von abzuwrackenden Flugzeugen zur Verwendung. Bei einem Grossteil der Bomber mussten auch kleinere Beschädigungen behoben werden. Für jede Maschine mussten durchschnittlich 200 Stunden aufgewendet werden.

Ende August konnten die ersten Flugzeuge, durchwegs B-17, den Rückflug nach England antreten. Die ungünstigen Platzverhältnisse erlaubten nur Starts mit geringer Zuladung. Daher wurden die Tanks mit einem Minimum an Benzin gefüllt, um München-Erding oder Paris-Villacoublay zu erreichen. Dort tankte man die internierten Maschinen für den Weiterflug nach Burtonwood voll auf. Der Flugplatz in England war das grosse Depot der US-Luftwaffe im Weltkrieg und beschäftigte bis zu 25`000 Mann.

Pro Woche konnten in Dübendorf etwa acht Maschinen flugbereit gemacht werden. Bei den B-24 wurden die Kontrollflüge mit Rücksicht auf die ungenügenden Ausmasse des Dübendorfer Flugplatzes teilweise unterlassen. Am 20.Oktober 1945 starteten die letzten drei internierten Maschinen, zwei B-24 und die einzige flugfähige Mustang via Paris nach Burtonwood. Der Mustang-Pilot verabschiedete sich auf seine ganz persönliche Art von der Schweiz. Nachdem er über dem Flugplatz Dübendorf einige Tiefflugangriffe markiert hatte, flog er nach Zürich, um unmittelbar über den Häusern mehrmals die Bahnhofstrasse entlang zu fliegen.

Diese Cowboy-Einlage bildete den Abschluss einiger aussergewöhnlicher Zwischenfälle bei der Rückführung der Bomber. Am 27. August 1945 machte sich unmittelbar nach dem Start die obere Maschinengewehrkanzel einer B-17 selbständig und schlug im westlichen Teil von Dübendorf auf die Strasse auf.

Eine C-47 musste am 21.September den Start wegen eines Bedienungsfehlers an der Fahrwerkanlage abbrechen. Es stellte sich heraus, dass der Pilot diesen Typ vorher noch nie geflogen hatte. Beim Überführungsflug der "Belle Ringer", einer B-24, geriet der Pilot in eine Schlechtwetterfront und musste in der Nähe von Paris eine Bruchlandung durchführen, welche die dreiköpfige Besatzung unverletzt überstand, doch die Liberator wurde dabei vollständig zerstört.
Insgesamt wurden 71 amerikanische Flugzeuge nach Burtonwood überflogen, darunter 30 B-17, 40 B-24 und eine Mustang. Die in der Schweiz notgelandete Stinson konnte durch die Schweizer Flugwaffe gekauft werden.

Als die ehemals internierten Maschinen ihre Heimat England erreicht hatten, war die Überführungsaktion amerikanischer Bomber in die USA bereits abgeschlossen. Die von unseren Leuten über die Kriegsjahre sorgsam gewarteten Bomber, welche unter grossem Aufwand für den Flug nach Burtonwood aufgepäppelt worden waren, kamen schon kurz nach ihrer Ankunft unter den Vorschlaghammer. Sie teilten ihr Schicksal mit hunderten von Mustangs, Thunderbolts und Lightnings, welche fabrikneu aus Amerika angekommen waren und gleich verschrottet wurden.
Die Amerikaner hätten es vorgezogen alles Gerät in der Schweiz zu lassen und den Wert an der Rechnung für die Internierungskosten gutzuschreiben, doch die Schweizer Regierung bestand auf der Ausschaffung des internierten Flugmaterials. Die Internierung von 166 Flugzeugen und deren Besatzungen in der Schweiz war für die Vereinigten Staaten nicht ganz billig. Am 26.Januar 1948 überbrachten Colonel W.B. Mann und Brigadegeneral Schneider der Schweizer Regierung einen Scheck über 4 964 992 Franken zur Begleichung der angefallenen Unkosten.!!

Keine einzige in der Schweiz internierte "Fliegende Festung" ist der Nachwelt erhalten geblieben. Dies mag angesichts der Tatsache, dass eine im neutralen Schweden notgelandete B-17 in den USA wieder wundervoll restauriert worden ist, etwas traurig stimmen. Für alle Kritiker dieser Entscheidung gilt es jedoch, den damals herrschenden Zeitgeist zu berücksichtigen. Die verantwortlichen Stellen waren zu dieser Zeit froh gewesen, sich möglichst schnell von allen Überbleibseln des Krieges, welche so viel Tod und Zerstörung über Europa gebracht hatten, zu entledigen.


Datum
Rückflug
Flugzeugart:
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Auftrag:
Einsatzziel:
Rückkehr:
Besatzung:
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Kennzeichen:
Squadroncode:
CH Archiv Nr.:
US MACR Nr:
Autor: Hans-Heiri Stapfer
Quelle: Cockpit

 
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