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Bergung eines B-24-Bombers aus dem 2. Weltkrieg im Prättigau

«Dieser Schrott ist Teil einer vergessenen Geschichte» Conters im Prättigau - Am 12. Juli 1944 stürzte bei Conters GR ein amerikanischer «Liberator»-Bomber ab. Die Maschine grub sich auf der Riederen-Alp ins Moor. Oben aufliegenden Teile wurden verscharrt. Jetzt, 58 Jahre später, holt eine Einheit des Rettungsbattaillons 35 der Schweizer Armee die Wrackteile dieses Bombers aus dem Boden und entsorgt sie. Der Name des Fliegers: «Bim Bam Bola».

Der rechte Schuh versinkt im Morast. In Einerkolonne geht eine zwanzigköpfige Gruppe durch das Hochmoor bergan. Das Naturschutzgebiet «Uf den Riederen» ist Teil einer Alp hoch über Conters im Prättigau. Ein paar Meter entfernt weiden Rinder. Friedliche Alpenidylle an diesem sonnigen 23. Juli 2002. Das muss am 12. Juli 1944 anders gewesen sein. Damals vor 58 Jahren stürzte hier ein B-24-Bomber («Liberator») der amerikanischen Luftwaffe ab: Die «Bim Bam Bola». Die Maschine gehörte zur 448th Bomb Group und war an jenem Tag von England her kommend unterwegs nach Süddeutschland.

Reise in die Vergangenheit
«Der Schrott, den Sie hier sehen, ist Teil einer vergessenen Geschichte», sagt Oberstleutnant Ueli Weber aus Wattwil. Weber ist Kommandant des Rettungsbattaillons 35 und damit oberster Verantwortlicher für die Bergung der «Liberator». Etwa zwei Dutzend Gäste hat er zu diesem «VIP-Tag» ins Prättigau eingeladen. Sie alle lassen sich von Weber auf eine Reise in die jüngere Vergangenheit entführen. Die Absturzstelle der B-24 liegt auf 1'820 Metern über Meer, sie befindet sich in einem Naturschutzgebiet und Hochmoor.

Verbogenes Cockpit-Blech aus Aluminium und Teile der Elektrik liegen auf grossen Haufen. Ein kleiner Bagger gräbt ein Loch in den nassen Alpboden. Soldaten fördern immer wieder Schrott zu Tage. «Die grössten Teile, zwei bis drei Meter gross, lagen obenauf, nur knapp von der Erde zugedeckt. Die liessen wir bereits vom Helikopter ins Tal fliegen», erläutert Ueli Weber. Die Teile landen vorerst in einem Container in Fideris. Dort seien sie allerdings nicht lange liegengeblieben, denn Souvenierjäger bemächtigten sich der Teile, sagt Weber und lacht. Auch die grossen Schrotthaufen, die noch auf der Alp liegen, werden per Heli abtransportiert. Am Tag der Führung förderte der Bagger eines der Maschinengewehre und Munition zu Tage. Laut Oberstleutnant Weber interessiere sich das Fliegermuseum Dübendorf sehr für solche Teile.

Bombenhagel über München
Der 12. Juli 1944: Die amerikanische Luftwaffe bombardierte an jenem Tag mit 1'204 Maschinen München. Lediglich 24 kamen nicht mehr nach England zurück. Zehn Flugzeuge mussten in der Schweiz notlanden, zwei davon stürzten im Prättigau ab. Nebst der «Bim Bam Bola» zerschellte eine «Fliegende Festung» vom Typ B-17 im Schlappintal. Die deutsche Flak hatte drei ihrer Motoren getroffen. Pilot, Bombenschütze und Navigator stürzten mit der B-17 in den Tod.

Auch die «Bim Bam Bola» wurde von der deutschen Fliegerabwehr getroffen, ein Triebwerk fing Feuer und fiel aus. Der Pilot verliess sofort die Formation, warf die Bomben ab und nahm Kurs auf die Schweiz. Wie die B-17 zerschellte der Liberator im Prättigau. Doch im Unterschied zur «Fliegenden Festung» im Schlappin konnten sich alle Besatzungsmitglieder der «Bim Bam Bola» mit dem Fallschirm retten.



 
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