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Besatzungstreffen dank Cockpit-Artikel

Eine Suchanzeige in einer amerikanischen Zeitschrift führte dazu, dass sich die Besatzung nach vierzig Jahren in Milwaukee (USA) zusammen fand.

Vierzig Jahre nach dem denkwürdigen Einsatz posieren die Besatzungsmitglieder vor einer B-17. (281)

Die "High Life"-Besatzung bei ihrem Jubiläumsflug. (280)









In der September-Ausgabe des Jahres 1982 berichtete COCKPIT über die Landung der ersten Boeing B-17 in der Schweiz. Eine im Zusammenhang mit diesem Artikel in einer amerikanischen Luftwaffenzeitschrift aufgegebene Suchanzeige führte dazu, dass sich die Besatzung des Bombers nach vierzig Jahren in Milwaukee zu einer glanzvollen Party wieder zusammenfand.

Blenden wir doch vorerst das Rad der Zeit noch einmal um vierzig Jahre zurück! In England starteten am 17. August 1943 21 Boeing B-17 Flying Fortress der 100th Bomb Group zum Angriff auf die Messerschmitt-Werke in Regensburg. Die 100th Bomb Group verlor dabei neun Maschinen, die höchste Verlustzahl aller beteiligten Gruppen an diesem Tag. Die "High Life" hatte mit zwölf vorhergehenden Missionen die meisten Einsätze in dieser Gruppe geflogen. Fünfundzwanzig hätten sie und ihre Crew gebraucht, um wieder in die Staaten zurückkehren zu können. Den ersten Einsatz flog die Maschine am 25.Juni 1943, als Bremen bombardiert wurde.

Die Besatzung der "High Life" bestand also aus erfahrenen Männern, die sich in Einsätzen über Frankreich und Deutschland bewährt hatten. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde ihr der hinterste Platz in der höchsten Formation der 100th Bomb Group zugeteilt. Da dieser Platz bei Angriffen der deutschen Jäger besonders gefährdet war, trug er den makabren Titel "Cofin Corner" (Sargecke). Die Mission zeigte, dass die Besatzungen mit dieser Bezeichnung nicht ganz unrecht hatten. Über dem Ziel wurden der Maschine zwei Motoren zerschossen. Oakes wollte der Crew schon den Be-fehl zum Aussteigen geben, als Navigator Harris den Vorschlag machte, die Schweiz anzufliegen. Um 12.48 Uhr landete die B-17 dann in Dübendorf.

Bei den Recherchen für den Cockpit-Artikel liess der Mitarbeiter eine Suchanzeige in der Eight Air Force News aufgeben. Leider wurde das abgedruckte Foto dann mit einem falschen Kommentar versehen. Dies rief zwei Angehörige der Crew auf den Plan. Joe Harper aus Texas korrigierte den Irrtum in einem Leserbrief, während Funker Scott keine Kosten scheute und von Alabama aus direkt in die Schweiz anrief, um die Sache zu klären. Scott und Harper hatten den Kontakt zueinander wie auch zu den restlichen Mitgliedern der Besatzung seit der Internierung in der Schweiz verloren. In Scott reifte der Gedanke, auch die anderen Mitglieder der "High Life" aufzustöbern. In den Staaten ist dies ein recht schwieriges Unterfangen, da die Amerikaner die Angewohnheit haben, oft ihren Wohnsitz zu wechseln. "Ungefähr 1000 Franken kosteten allein die Telefongespräche, die notwendig waren, um alle meine Freunde wieder zu finden", meinte Scott. "Nur einen habe ich nicht gefunden, unseren Bombardier Lloyd Hammerlund. Weiterhin erfuhr ich, dass McGrath im Jahre 1960 gestorben ist".
Zuerst wollte Jim Scott bei sich zu Hause in kleinem Rahmen eine Wiedersehensparty organisieren, doch dann erfuhr die Miller Brewing Inc. in Milwaukee von diesem Vorhaben. Miller, der Produzent des in Amerika sehr beliebten "High Life"-Bieres, lud die Crew mit ihren Ehefrauen kurzerhand nach Milwaukee ein. Drei Tage, vom 9. bis 11. Juni 1983, dauerte die Party. Flug, Essen und Unterkunft wurden von der Brauerei bezahlt. Viele Gäste fanden sich ein, für die lokale Presse und das Fernsehen war es das Ereignis der Woche. Gratulationen trafen aus der ganzen Welt ein, darunter auch Glückwünsche von Präsident Ronald Reagan und Verteidigungsminister Caspar Weinberger.

Es war ein erhebender Augenblick, als sich die neun Männer nach vierzig Jahren zum erstenmal wieder sahen. Mit von der Partie war auch ein Mitglied, das nicht am denkwürdigen Flug teilgenommen hatte, Howard Ball wurde während einer Mission am 25. Juli 1943 verletzt und sein Nachfolger war Lloyd Hammerlund. Höhepunkt des Treffens bildete ein Flug mit einer der letzten noch fliegenden B-17. Die Flying Fortress, eine späte G-Version, kam von der Experimental Aircraft Association aus Oshkosh. Die Maschine trägt die frei erfundenen Kennzeichen UD-F und die Seriennummer 85740.
Zu diesem Anlass erhielt die B-17 den originalen Schriftzug, wie ihn die "High Life" 1943 getragen hatte. Das Mädchen auf dem Mond bildet seit 1903 das Wahrzeichen dieses Bieres. Die vier-zehnte Mission der High Life Besatzung war ein Rundflug vom Flughafen Mitchell Field über die Stadt Milwaukee. Zuvor konnte die Maschine von einer grossen Zahl Schaulustiger bewundert werden.

Jim Scott nach dem Flug: "Die dreizehnte Mission war ein Alptraum, diese hier ein süsser Traum, den ich nie mehr vergessen werde".
Jim Scott feierte den vierzigsten Jahrestag in Dübendorf, wo er am 17.August notgelandet war. Jim war ergriffen, als er die Stelle sah, wo die High Life zum Stehen gekommen war. Scott war zu diesem Zeitpunkt 61 Jahre alt. Er arbeitete als Raketentechniker bei Redstone Rocket in Huntsville, wo er auch wohnte. Dem Fliegermuseum schenkte er ein Bild, das die "High Life" während des Angriffs auf Regensburg zeigt.


Datum
Crew
Flugzeugart:
Flugzeugtyp:
Flugzeugbezeichnung: B-17 F-85-BO
Flugzeugname:
Einteilung: 8th Air Force, 100th Bomb Group, 351st Squadron
Basis:
Auftrag:
Einsatzziel:
Rückkehr:
Besatzung:
Werknummer: 42-30080
Kennzeichen: EP-F
Squadroncode:
CH Archiv Nr.: A003
US MACR Nr:
Autor: Hans-Heiri Stapfer
Quelle: Cockpit

 
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