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Vor 60 Jahren musste der Bomber «Liberator» B-24 D in der Thurebene notlanden - die Besatzung blieb unverletzt. Am 13. August 1943 setzte ein amerikanischer Pilot zur Notlandung in der Thurebene an. Als 15-jähriger Junge verfolgte Alex Stuber den Flug des «grauen Ungetüms».
«Wir waren gerade im Ebnet (südlich von Trungen) am Emd aufladen, als wir ein eigenartiges Summen vernahmen», erzählt Alex Stuber, «als wir zum Himmel schauten, kam ein graues Ungetüm im Gleitflug vom Hofberg direkt auf uns zu.» Wie eine Maus vor der Schlange seien sie dagestanden. Sein jüngerer Bruder sei eiligst vom Heufuder hinuntergeglitten. «Es waren nicht einmal hundert Meter Distanz zwischen uns und dem Flugzeug. Die Pferde scheuten auf, als der riesige Schatten über sie hinwegzog.» Stuber ahnte, dass der Bomber noch zu viel Höhe hatte, um in der Ebene zu landen und konnte beobachten, wie er links abbog und über Bild gegen die Stadt Wil abdrehte. «Nach einigen Minuten vernahmen wir eine Detonation, dann sahen wir eine schwarze Rauchsäule über Wil aufsteigen. Kurze Zeit später hörten wir die Sirenen heulen.»Eine Bombardierung?Alex Stuber wusste zu dieser Zeit nicht, was geschehen war und befürchtete gar, es werde etwas bombardiert. Erst die Zeitung konnte ihn in den folgenden Tagen über dieses eindrückliche Erlebnis aufklären: Das amerikanische Flugzeug, ein Bomber vom Typ Consolidated Liberator B-24 D, startete am frühen Morgen des 13. August mit 49 anderen Bombern am Luftwaffenstützpunkt Bengasi (Nordafrika). Sie hatten den Auftrag, einen Angriff auf die Messerschmitt-Werke in der Wiener Neustadt auszuführen. Da dort monatlich bis zu 500 Jagdflieger des Typs «Messerschmitt Me 109» hergestellt wurden, zählte dieser Ort zu den wichtigsten deutschen Rüstungszentren. Nach Zurücklegen von 1900 km warfen sie 150 000 kg Dynamit über der Fabrik ab, sodass diese unter heftigen Explosionen zusammenbrach. Als Reaktion eröffnete die Fliegerabwehrkanone über Wien das Feuer auf den amerikanischen Bomberverband, der wieder nach Bengasi zurückkehrte - bis auf ein ein- ziges Flugzeug. Dieses wurde während des Überflugs am rechten, inneren Motor beschädigt, sodass dieser stillgelegt werden musste. Auch beim linken, äusseren Aggregat stellten sich Störungen ein - der Rückflug nach Bengasi war nicht mehr möglich.Flucht in die SchweizDer Pilot versuchte sich der Schweizer Grenze zu nähern. Die B-24 flog mit stotterndem Motor entlang der Alpenkette durch das zum Deutschen Reich gehörende Österreich und tauchte bei Passo di Flingra im Engadin in den Schweizer Luftraum ein. Er schien die Orientierung verloren zu haben, als er über den Scalettapass nach Sargans und Grabs hinunterflog und wieder in Richtung Vorarlberg abdrehte. Dann endlich mussten sie den Bodensee gesichtet haben und schwenkten ab. Der Wiedereinflug in schweizerisches Gebiet erfolgte via Langenargen bei Romanshorn. Das Flugzeug wurde in Sulgen gesichtet, bevor es Kurs auf Uzwil nahm und Wil ansteuerte. Über der Stadt zog es eine grosse Schleife - Stadtweier, Bleicheplatz, St.Gallerstrasse - flog dann bis nach Zuzwil und setzte aus Osten kommend auf dem Flugplatz Thurau zur Notlandung an - nach 13-stündiger Flugdauer. Mit ausgefahrenem Fahrwerk steuerte der junge Pilot auf die Thurauebene zu und brachte den B-24 nach 620 Metern Rollstrecke zum Stehen.Unverletzte BesatzungTief eingegraben im Ackerfeld waren Fahrgestell und Räder, aber die zehn Besatzungsmitglieder im Alter zwischen 20 und 27 Jahren konnten unverletzt dem Rumpf entsteigen. In der Annahme, die Landung sei in deutschem Gebiet erfolgt, zündeten sie das Flugzeug an und verschwanden im nahen Gebüsch. Kurz nach Auslösung des Fliegeralarms erschienen Luftschutzleute, welche die Amerikaner über ihren Standort aufklärten. Die 23 Meter lange B-24 brannte total aus. Die restlichen Trümmer wurden von Luftschutztruppen mit Schaum überzogen und Tag und Nacht bewacht, bis das zerlegte Wrack schliesslich nach Dübendorf transportiert wurde, um es auf dem Militärflugplatz zu deponieren. Nachdem das Kapitel «Notlandung in der Thurau» von Militär und Luftschutz nach einigen Tagen geordnet war, verliessen die Amerikaner die Äbtestadt in Richtung Zürich, um irgendwo interniert zu werden. «Für mich war diese Notlandung ein riesiges Ereignis - und ein Schlüsselerlebnis», erzählt Alex Stuber. Bis heute hat sein Interesse an der Fliegerei, das mit diesem Geschehen einen Anfang fand, angehalten.
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