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Der Bub und der Bomber

Vor 60 Jahren warf ein amerikanischer Bomber seinen Ballast über Niederbüren ab - vor den Augen von Josef Schoch. Drei Jahre recherchierte der leidenschaftliche Ahnen- und Geschichtsforscher Josef Schoch aus Bischofszell, bis er auch die Details zum Bomber B-17 hatte, der im Zweiten Weltkrieg über Niederbüren Ballast abwarf. Er selbst ist Augenzeuge.

«Ich war auf dem Schulweg, als der Fliegeralarm losging», erinnert sich der damals 14-jährige Josef Schoch. «Aber bei Fliegeralarm musste man nicht zur Schule, sondern in den nächsten Keller.» Kurz darauf vernahm er das Brummen eines Flugzeuges. Im Keller? «Ach, ich war natürlich nicht im Keller, sondern auf der Strasse. Mich nahm doch wunder, was passiert», winkt er ab. Am Horizont habe er ein niedrig fliegendes Riesenflugzeug gesehen. «Kurz darauf kam die Ortswehr und jagte mich fort.» Josef Schoch erinnert sich genau. Blitzschnell hatte er als Bub zuvor die abgeworfene Munition und Teile von Plexiglas in seine Hosentasche gesteckt und ist verschwunden - nicht als Einziger, wie sich herausstellen sollte.

Senke bis heute erkennbar
55 Jahre später macht Schoch mit der Fotosammlung seines Vaters, des ehemaligen Dorf-Fotografen von Niederbüren, in der Gemeinde eine Ausstellung zum Dorfleben von damals. «Hast du auch Fotos zum Ballastabwurf jenes Flugzeuges damals über Niederbüren?», wird er gefragt, und zwar von jenen, die ebenfalls als kleine Buben auf die grüne Wiese in Rötelhof-Wältishus in Niederbüren eilten, wo noch heute eine leichte Senke erkennbar ist. Da beginnt der leidenschaftliche Ahnenforscher, der seit über 50 Jahren in Bischofszell wohnt, jedes Detail dieses Stücks Geschichte zu recherchieren. «Jeder sollte zum Ziel haben, auch mit über 65 noch genau zu wissen, was er tun möchte, dann nämlich entspannt und ohne Stress», sagt der 74-Jährige, der täglich im Internet surft. «Wenn ich etwas brauche, gebe ich ein: Ich suche», erklärt er, «und klinke mich aus, sobald ich es habe.» «Wir ältere Leute müssen am Computer nicht all das können, was die Jungen machen, aber der PC ist ein Hilfsmittel, um in kürzester Zeit ans Ziel zu gelangen.»

Am Morgen des 24. April ...
Drei Jahre hat es gedauert, bis er für seine Dokumentation alles zusammen hatte. Dazu gehören Zeitzeugen, Berichte der Bischofszeller Zeitung und Bischofszeller Nachrichten sowie Fotos und ein Geheimbericht des Bundesarchives über die nach dem Abwerfen des Ballasts in Neftenbach bei Winterthur notgelandete «Fliegende Festung», einen amerikanischen Bomber B-17. Die Besatzung überlebte. In der Inventarisierung ist bis zur «Bordapotheke mit Reissverschluss» und «Lederhandschuhen pelzgefüttert» alles aufgelistet. «Es gab Zeiten, in denen ich mit der Recherche nicht mehr weiterkam», sagt Schoch. Aufgeben kennt er aber nicht. So ist er irgendwann an den Pilotenbericht gekommen: «Wir starteten am Morgen des 24. April 1944 von unserer Basis in England zu unserem neunzehnten Flug über Deutschland», ist dort zu lesen. Die Besatzung wurde von deutschen Jägern überrascht, die zwei Motoren beschädigten, erzählt Schoch. Das Flugzeug habe den Bodensee überquert und einen geeigneten Not-Landeplatz gesucht. In Niederbüren dann der Ballastabwurf, damit das Flugzeug nicht noch mehr an Höhe verlor.

Die Neugierde bleibt
«So ist die Geschichte», sagt Schoch und klappt seine Dokumentation zu, «die Neugierde, die mich als Bub zum Geschehnis lockte, hat mich nie losgelassen.»

Vom Baum gesprungen
Es ist auf meinem Grundstück passiert im April 1944. Wir steckten gerade Kartoffeln und hatten vorgängig Mist in die Furchen geführt. Mein Bruder Sepp und ich sind beim Brummen des Bombers, der vom Bodensee über Bischofszell- Bischofsberg kam, auf einen Obstbaum geklettert. Das Flugzeug ist niedrig geflogen und hat etwas abgeworfen, was ich als Bombe einschätzte. Wir sind vom Baum gesprungen und haben uns flach auf den Boden gelegt.
Hans Scherrer, Niederbüren




 
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