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Luftkampf über der Schweiz

Der Bomber mit dem Kennzeichen FC-B und dem Übernamen "Blues in the Night" ist nach einem Einsatz über Stuttgart in Dübendorf gelandet. Am 12.09.1945 nach Burtonwood zurück gekehrt.

Der schwer angeschlagene Bomber konnte sich nur mit den beiden Innenmotoren in die Schweiz retten. Kurz nach der Landung stehen noch beide äusseren Propeller in Segelstellung. (416)

Der Bomber der 8th Air Force, 390th Bomb Group mit dem Kennzeichen FC-B und dem Übernamen "Blues in the Night" ist nach einem Einsatz über Stuttgart in Dübendorf gelandet und am 12.09.1945 nach Burtonwood zurückgekehrt.

Am 5. September 1944 kam es über der Schweiz zu einem überraschenden Luftkampf zwischen amerikanischen P-51 Mustang und Bf 109E der Fliegertruppe, welcher einem eidgenössischen Piloten das Leben kostete.
Die Mission 605 führte alle drei Luftdivisionen der Achten US-Luftflotte wieder einmal nach Süd-Deutschland. 670 B-17 und B-24 erreichten ihre Primärziele Stuttgart, Ludwigshafen und Karlsruhe. Dabei belegten sie wichtige Industriegebiete mit insgesamt 1667 t Bomben.
Weitere 143 B-17 griffen Stützpunkte der Wehrmacht in der Gegend von Brest an. Nur sechs Bomber - weniger als 0,9% der eingesetzten Flotte - kehrten nicht mehr aus Deutschland zurück. Zwei der vermissten Flugzeuge, je eine B-17 und eine B-24, erreichten sicher die neutrale Schweiz. Die Begleitjäger hatten wiedereinmal hervorragende Arbeit geleistet. Sie holten 27 Gegner vom Himmel. Was die Amerikaner jedoch nicht wissen konnten, unter den abgeschossenen Jägern befanden sich auch zwei Schweizer Messerschmitt Bf 109E.

Zu den 429 eingesetzten P-38 Lightning, P-47 Thunderbolt und P-51 Mustang gehörten auch sechzehn Mustang der 339.Jagdfliegergruppe aus Fowlmere, welche die 207 Boeing B-17 der 3.Luftdivision nach Stuttgart begleiten sollten. Die Einheit, die ihre erste Mission am 30.April 1944 geflogen hatte, stand unter dem Kommando von Oberst John B. Henry Jr. In 264 Einsätzen erzielten diese Piloten 239 Luftsiege. 440 weitere gegnerische Flugzeuge zerstörten sie am Boden, mussten aber auch 94 eigene Verluste hinnehmen. Während ihres ersten Einsatzjahres vernichtete die 339.Gruppe mehr feindliche Maschinen in der Luft und am Boden als jede andere amerikanische Jagdfliegergruppe auf dem europäischen Kriegsschauplatz. Dies ist um so erstaunlicher, als der auf Bell P-39 Airacobra trainierte Verband ohne eigentliche Umschulung gleich mit der P-51 Einsätze von England aus fliegen musste.
An jenem 5. September 1944 führte Oberstleutnant Scruggs die siebzehn Maschinen auf der für die Gruppe 126.Mission. Der Start in Fowlmere erfolgte um 8.38 Uhr. Ein Defekt im Kühlsystem zwang LT Fiorito schon bald zur vorzeitigen Umkehr zur Heimatbasis. Der Rest traf sich um 10.02 Uhr über Crep-en-Val nordöstlich von Paris auf einer Höhe von 6000 m mit den Bombern und eskortierte sie Richtung Schwabenland.

Über dem Ziel lief die Formation in ein besonders schweres Flakfeuer. 109 Bomber kehrten mit teilweise schweren Beschussbeschädigungen zurück. CAPT Alvin Jaspers flog die "Blues in the Night" und wurde von der Abwehr besonders böse zugerichtet.

Als Copilot flog 1LT Thomas F. Gallagher und der Navigator 2LT Daniel Foley erinnert sich :
Nachdem wir die Bomben abgeworfen hatten liessen wir die Maschine über den rechten Flügel abkippen. Motor 4 wurde getroffen und musste stillgelegt werden. Motor 2 lief hart und rauchte, und Nummer 3 verlor Treibstoff. Nun musste auch noch Nummer 1 stillgelegt werden. Ich glaubte nicht mehr an eine Rückkehr nach England. Kugelturmschütze SGT James B. Eckman sah aus seiner Position das Öl aus Motor 2 auslaufen, und dass die Nummer 1,3 und 4 Treibstofftanks leer waren. Ich war trotzdem überrascht, als ich den CAPT hörte, wie er das Kommando an seinen Stellvertreter, Evans übergab. Wir hatten nur noch eine Möglichkeit, und dies war die Schweiz zu erreichen. Ich realisierte plötzlich, dass wir keine Karten von dieser Gegend hatten. Sicher war, dass der See zu unserer Linken der Bodensee war und Zürich südlich davon an einem langen See lag. Als wir in der Gegend von Schaffhausen den Rhein überquerten, sahen wir auch schon Zürich und hielten Kurs darauf. Von einer kleineren Stadt wurde mit Flab geschossen, wir erfuhren später, dass dies Frauenfeld war. CAPT Jaspers glaubte nicht, dass wir in der Schweiz waren und bemerkte auch nicht, dass die hochfliegenden Begleit-Mustangs ebenfalls noch folgten. Plötzlich wurden die Schweizer Jäger, die uns zur Landung geleiten sollten von den Mustangs abgeschossen. In unserer verzweifelten Lage versuchten wir das Flugzeug leichter zu machen und warfen alle schweren Waffen über Bord. Dann warfen wir noch den Kugelturm ab, und über dem Zürichsee entledigten wir uns noch des Radars. Später sagte man uns, dass der Kugelturm durch das Dach eines Gebäudes gefallen war, und dass glücklicherweise niemand verletzt wurde. Gallagher sah als Erster das Flugfeld von Dübendorf, wo wir landeten.

Bevor Jaspers die Formation verliess erbat er über Funk Begleitschutz. Oberleutnant Earl E. Erickson und Leutnant Nathan Ostrow der 339th.Gruppe eilten dem lädierten Bomber sofort zu Hilfe. Mittlerweile blieb auch den Schweizern die erhöhte Lufttätigkeit im grenznahen Gebiet nicht verborgen, und als unsere Beobachtungsposten den Einflug des Bombers meldeten, machte sich um 11.00 Uhr eine Doppelpatrouille Messerschmitt Bf 109E-3 sofort auf den Weg, um die beiden Eindringlinge abzufangen und nach Dübendorf zu geleiten.


Über Brüttisellen sichteten Patrouillenführer R. Heiniger in der J-324 und Oberleutnant P. Treu in der J-378 die angeschlagene B-17G, welche sich nur noch mit äusserster Mühe in der Luft halten konnte. Erst auf das vierte Raketensignal der Eidgenossen reagierte der Bomber mit einem kurzen Ein- und Ausfahren des Fahrwerks. Dieses Manöver sowie der ungünstige Sonnenstand haben wohl zu einer Vernachlässigung der Luftraumbeobachtung geführt.

Denn unterdessen hatten die beiden amerikanischen Begleitjäger, welche über der Festung kreisten, drei der vier Bf 109E ausgemacht. Sie hielten sie für feindliche Maschinen, welche ihrem Schützling ans Leder wollten. Ostrow und Erickson zögerten keine Sekunde und stachen aus der Überhöhung blitzschnell auf die ahnungslosen, völlig überraschten Eidgenossen nieder. Mit kurzen Feuerstössen erwischten sie die beiden Messerschmitt von Treu und Heiniger. Der Spuk dauerte nur Sekunden, dann waren die Mustang verschwunden. Die Schweizer hatten nicht den Hauch einer Chance zur Abwehr. Oberleutnant Treu fand beim Absturz seiner brennenden "Emil" in der Nähe von Neuaffoltern den Tod, während der schwerverletzte Heiniger mit seiner völlig zerschossenen Maschine in Dübendorf eine saubere Bauchlandung hinzaubern konnte. Seine J-324 wurde später wieder instandgestellt und blieb noch bis zum 28.Dezember 1949 im Einsatz. Ohne weitere Zwischenfälle eskortierten die noch verbliebenen zwei Schweizer Jäger die B-17 nach Dübendorf zur Internierung. Dieses Ereignis blieb glücklicherweise ein Einzelfall, obwohl amerikanische Begleitjäger den ganzen Krieg über beschädigte Bomber immer wieder bis weit in die Schweiz hinein eskortierten. Sie drehten erst ab, nachdem zweifelsfrei feststand, dass unsere Piloten sich ihrer annahmen.

Um 1.45 Uhr landeten die P-51 der 339.Gruppe ohne Verluste sicher in England. Nach Auswertung der Zielfilme sprach man Erickson einen halben, Ostrow anderthalb Luftsiege zu, die einzigen Erfolge des Verbandes an diesem Tag. Für Ostrow blieben es auch die einzigen Abschüsse, während Erickson am 11. September 1944 einen weiteren Gegner bezwingen konnte. Er ist heute Mitglied der 339th FG Association, während das Schicksal von Ostrow bis heute nicht ermittelt werden konnte.

Während des ganzen Krieges kam es auf beiden Seiten immer wieder zu Abschüssen eigener Flugzeuge. Das Geschick eines Jagdfliegers hing ganz entscheidend von seiner raschen Reaktionsfähigkeit ab, oder wie ein deutscher Pilot einmal treffend an seine Maschine pinselte: "Wer schneller schiesst, lebt länger". Innert Sekundenbruchteilen musste ein fremdes Flugzeug identifiziert werden, auf die Hoheitszeichen wurde kaum geachtet. So erbrachte auch die auffällige Neutralitätsbemalung unserer Messerschmitt und Morane nicht immer die erhoffte Wirkung. Der amerikanische Nachrichtendienst wies zwar seine Besatzungen immer wieder darauf hin, dass die neutrale Schweiz mit den gleichen Maschinen fliegen würde wie der Feind. Es ist bekannt, dass die Amerikaner englische und französische Spitfire mit deutschen Jägern verwechselten, und in die Tiefe schickten. Auch die Bomberbesatzungen hatten in bestimmten Fluglagen Mühe, die Focke Wulf Fw 190 von der eigenen P-47 Thunderbolt zu unterscheiden, was ebenfalls zu Verlusten führte.


KOORDINATEN - LINK ZU GOOGLE MAPS


Datum 05.09.1944
Landung Dübendorf
Flugzeugart: Bomber
Flugzeugtyp: B-17 Flying Fortress
Flugzeugbezeichnung: B-17 G-70-BO
Flugzeugname: Blues in the Night
Einteilung: 8th Air Force, 390th Bomb Group, 571st Squadron
Basis: Framlingham (GB)
Auftrag: Bombardierung
Einsatzziel: Stuttgart (D)
Rückkehr: 12.09.1945 Rückkehr nach Burtonwood (GB)
Besatzung: Pilot: Thomas F. Gallagher, 1st Lt
Cmd Pilot: Alvin W. Jaspers, Cpt
Navigator: Daniel Foley, Jr., 2nd Lt
Bombardier: Victor H. Estes, 2nd Lt
Engineer: William Marra, T/Sgt
Radio: Robert E. Miner, T/Sgt
Ball Turret: James B. Eckman, S/Sgt
Waist Gunner: Ernest M. Feibusch, S/Sgt
Tail Gunner: Walter I. Underwood, 2nd Lt
Werknummer: 43-37866
Kennzeichen: FC-B
Squadroncode:
CH Archiv Nr.: A132
US MACR Nr: 8456
Autor: Hans-Heiri Stapfer
Quelle: Cockpit

 
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