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Ein tragischer Zwischenfall

Der Bomber mit dem Kennzeichen 78 und dem Übernamen "Maiden America" ist nach einem Einsatz über Innsbruck bei Würenlingen abgestürzt und in der Schweiz verschrottet worden.

Die "Maiden America" auf einem Einsatz kurz bevor sie in der Schweiz abgeschossen wurde. (241)

Nur rauchende nicht mehr erkennbare Teile blieben von der
B-24 übrig. (242)


Mit seinem Fallschirm zugedeckt, die Leiche des Navigators Homistek. (243)

Die mögliche Flugroute der "Maiden America". (244)

Zu einem besonders tragischen Zwischenfall kam es am 25. Dezember 1944, als die 450th Bomb Group aus Italien ein Versorgungsdepot in Innsbruck angriff.
Die Flab war zwar nicht besonders intensiv, aber sie erwischte dennoch "Maiden America". Gegen 11.40 Uhr löste sich 1LT Vincent F. Fagan noch über dem Ziel von seiner Einheit und nahm mit zwei brennenden Triebwerken Kurs Richtung neutrale Schweiz. Da der Flugplatz von Basel von Nebel bedeckt war, wählte Fagan Dübendorf als Ausweichflugplatz. Auf der Höhe von Würenlingen eröffnete die Schweizer Flab das Feuer auf die angeschlagene "Maiden America".

Fritz Meier aus Würenlingen erinnert sich:
Um 12.30 Uhr, Radio Beromünster sendete gerade Nachrichten, da beginnt's wie berstender Donner. Am stahlblauen Winterhimmel braust ein amerikanischer Bomber heran. Das Aufheulen der Motoren reisst die Weihnachtsesser von den Tischen. Die Flab wettert in die Winterluft und die Sprengpunkte sind rings um das Flugzeug deutlich zu erkennen. Die Maschine sackt plötzlich beinahe senkrecht ab. Ein Volltreffer wie wir ihn noch nie gesehen hatten, unmittelbar über dem Dorf. Dann weisse Punkte am Himmel, Fallschirme. Im Tiefflug rast der Liberator über die Häuser, eine Rauchschnur hinter sich ziehend. Das Feuer verwandelte den Bomber in eine Fackel. Der Aufprall war hart und es folgte ein dumpfer Knall. Haushohe Flammen stiegen vom Ruckfeld empor. Der Liberator war in tausend Stücke explodiert und die Triebwerke gruben sich tief in den Ackerboden ein.

Laut Aussage der Besatzung wollte diese in der Schweiz notlanden, fand aber den Flugplatz Dübendorf nicht. Vincent F. Fagan schrieb in seinem Buch "Liberator Pilot" sie seien mit nur noch zwei Motoren sehr langsam, unterhalb der vorgeschriebenen Mindestgeschwindigkeit geflogen, und hätten ständig an Höhe verloren. Alles was sie entbehren konnten wurde über Bord geworfen. Der Kompass habe nicht mehr funktioniert und Karten waren auch keine brauchbaren vorhanden. Als sie unter Schweizer Flabfeuer kamen, wollte er Raketen abschiessen um die Landeabsicht anzuzeigen. Fagan konnte aber das Risiko nicht eingehen, weil überall Treibstoff ausfloss. Das Fahrwerk konnte ebenfalls nicht ausgefahren werden.

Fagan zählte fünf schwere Einschläge und dachte, dass dies das Maximum war, mehr konnte die Maschine nicht verkraften.
Noch ein direkter Treffer und die Maschine würde in der Luft explodieren. Also gab ich über Bordfunk den Befehl zum Aussteigen. Es war wie auf dem 10Meter-Turm, je länger du dastandest, je länger du hinabschautest, umso schwieriger wurde es, hinauszuspringen. Ein Teil der Mannschaft stieg im Cockpit aus, ein Teil durch die Seitenluke.

Später erzählte der Bordfunker Vernon P. Leitch:
Der linke Seitenschütze Ralph L. Coulson sei in Panik und eisengrau vor Angst im Flugzeug sitzen geblieben. Es sei unmöglich gewesen ihn zu retten. Bevor Fagan die Maschine verliess, hatte er die Motorleistung gesteigert, damit das Flugzeug auf Kurs blieb.

Fagan erinnert sich:
Unter mir erblickte ich die Fallschirme der Kameraden. Über mir sah ich wie die Maschine kopfüber auf Würenlingen zustürzte.

Hätte Fagan nicht eben noch Gas gegeben und die Geschwindigkeit erhöht, wäre die Maschine auf die Gemeinde Würenlingen abgestürzt.
Ein erster Beschuss erfolgte bereits beim ersten Überflug des Bombers aus Richtungen Baldigen - Würenlingen - Koblenz. Bei diesem Überflug wurde mit Sicherheit kein Treffer erzielt. Nach einem neuerlichen Einflug bei Zurzach erhielt das Flugzeug in der Folge mehrere Treffer, die zum Absturz führten.

Beim Verlassen des Flugzeuges verwickelte sich der Fallschirm von 2LT Martin A. Homistek im Seitenleitwerk, und der Navigator stürzte an der Liberator hängend in den Tod, während der Co-Pilot 2LT Nicholas MacKoul in den eiskalten Fluten der Aare ertrank. Aus unerklärlichen Gründen verliess der Heckschütze SGT Ralph L. Coulson nie seinen Platz, seine Leiche wurde dann später beim Absturzort gefunden. MacKoul, Homistek und Coulson wurden am 28. Dezember in Münsingen beigesetzt.
Am 5. September 1965 errichtete die Gemeinde Würenlingen den ums Leben gekommenen amerikanischen Fliegern am Ort des Absturzes einen Gedenkstein.

KOORDINATEN - LINK ZU GOOGLE MAPS


Absturz Würenlingen
Flugzeugart: Bomber
Flugzeugtyp: B-24 Liberator
Flugzeugbezeichnung: B-24 G-16-NT
Flugzeugname: Maiden America
Einteilung: 15th Air Force, 450th Bomb Group, 723rd Squadron
Basis: Manduria (I)
Auftrag: Bombardierung
Einsatzziel: Versorgungsdepot Innsbruck (A)
Rückkehr: in der Schweiz verschrottet
Besatzung: Pilot: Vincent F. Fagan, 1st Lt
Copilot: Nicholas Mac Koul, 2ndt Lt, im Kampf gestorben
Navigator: Martin A. Homistek, 2nd Lt, im Kampf gestorben
Nose Gunner: Thomas B. Owen, S/Sgt
Engineer: James L. Estes, T/Sgt
Radio: Vernon P. Leitsch, T/Sgt
Right Waist: Claud W. Hunt, Sgt
Left Waist: Ralph L. Coulson, Sgt, im Kampf gestorben
Tail Gunner: Herbert R. Spencer, Jr., S/Sgt
Werknummer: 42-78356
Kennzeichen: 78
Squadroncode:
CH Archiv Nr.: A146
US MACR Nr: 10896
Autor: Hans-Heiri Stapfer
Quelle: Cockpit

 
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