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Absturz bei Zunzgen

Die Maschine mit dem Kennzeichen TQ-M stürzte bei Zunzgen im Fricktal ab wobei der Pilot ums Leben kam.

Von der Marauder blieb kein Teil übrig, welches an ein Flugzeug erinnerte. (548)

Beim Absturz riss die Maschine eine Schneise in den Wald. (547)

Eine Marauder wirft im Frühjahr 1945 über Deutschland ihre tod-bringende Last ab. Wie das gelb-schwarze Muster am Seitenleitwerk zeigt, gehörte dieses Flugzeug zur gleichen Bombergruppe wie die in der Schweiz abgestürzte Maschine. (549)

Von Raymond W. Reid`s Marauder sind leider keine Fotos verfügbar. (550)

Obwohl die amerikanischen Marauder-Staffeln häufig den Schweizer Luftraum verletzten, ging nur ein einziges Flugzeug dieses Typs auf Schweizer Boden nieder. Der folgende Bericht schildert den Absturz einer Marauder in der Nähe von Zunzgen im aargauischen Fricktal, bei dem der Pilot auf tragische Weise ums Leben kam.

Am Nachmittag des 16. April 1945 starteten 38 Marauder der 387th Bomb Group zu ihrem zweiten Tageseinsatz gegen ein deutsches Versorgungsdepot in Kempten. Schon am Morgen hatten die "Striped Tiger", wie die Gruppe wegen ihres gelb-schwarz gestreiften Bandes am Seitenleitwerk genannt wurde, einen Stützpunkt in Gunzenhausen angegriffen. Die von 1st Lt. Wilmeth geführte Einheit traf dabei ganz hervorragend. Alle Maschinen kehrten unbeschädigt nach Clastres, ihrer Basis in Frankreich zurück.

Eigentlich war der Kempten-Angriff schon für den 12. April vorgesehen gewesen, doch hatte damals schlechtes Wetter diese Gruppe zur frühzeitigen Umkehr gezwungen. Nun herrschten im Zielgebiet ideale Bedingungen. Den zweiten Angriff leitete Captain Winn, sämtliche Maschinen erhielten neue Besatzungen.
2nd Lt. Raymond W. Reid übernahm die "894" von Lt. Potter. Reid hatte mit dieser Marauder schon zwölf Einsätze geflogen und kannte die Eigenheiten dieser Maschine natürlich ganz genau. Die weitere Besatzung bestand nach amerikanischen Angaben aus dem Copiloten Kenneth J. Stear, dem Bombenschützen Richard J. Bockhahn, dem Bordmechaniker Robert L. Mercado, dem Funker Johnnie F. Jones sowie dem Schützen Earl L. Theis.
Die Martin B-26G-15-MA war am 30.Oktober 1944 aus der Halle der Glenn-Martin-Werke in Baltimore gerollt. In Europa bekam die Marauder einen grauen Oberseitenanstrich und die Stammkennzeichen TQ-M.

Der Anflug auf Kempten gestaltete sich problemlos, weder Flak noch Jäger behinderten die Maschinen auf ihrem Weg. Doch plötzlich kam um 17.20 Uhr kurz nach Donaueschingen Unruhe in den Verband. Lt. Reids rechter Pratt&Whitney-Motor fing immens zu rauchen an. Sofort verliess Reid die Formation, entledigte sich seiner zwei Bomben im Notwurf und nahm Kurs Richtung Schweiz. Es war für die Besatzung die einzige Möglichkeit, der Gefangenschaft zu entkommen, denn mit einem brennenden Triebwerk war an eine Rückkehr nach Clastres nicht zu denken.

Für die Besatzung begannen zwanzig endlose Minuten. Zwar konnte die automatische Löschanlage den Brand bald unter Kontrolle bringen, aber die Marauder hatte viel an Höhe verloren. Ein tieffliegendes, angeschlagenes Flugzeug, das wäre eine leichte Beute für die Deutschen gewesen. In Windeseile entledigte sich die Crew von allem nicht Niet- und Nagelfestem, um ihre B-26 zu erleichtern. Doch wenige Kilometer vor der Grenze mussten Jones und Theis in den sauren Apfel beissen und die Maschine verlassen. Sie gerieten unverletzt in deutsche Hände. Jones konnte nach zwei Tagen fliehen, durchschwamm den Rhein und wurde in der Schweiz interniert.

Um 17.40 Uhr überquerte die Marauder bei Möhlin in ungefähr 250m Höhe den Rhein. Einer nahegelegenen Flabbatterie war dieser Einflug nicht entgangen. Sofort eröffneten sie das Feuer auf den Eindringling. Einen solch heissen Empfang hatten die Amerikaner von den Eidgenossen wohl nicht erwartet. Das Flugzeug fing erneut zu brennen an und konnte vom Piloten nur noch mit Mühe gehalten werden. Reid liess das Fahrwerk ausfahren, damit seine Kollegen durch den Fahrwerkschacht ins Freie springen konnten. Wenige Sekunden vor dem Absturz änderte Lt. Reid nochmals die Flugrichtung, damit die "894" nicht auf bewohntes Gebiet stürzte, dann stieg auch er aus.

Mit voller Wucht prallte die B-26 gegen den Zeiniger Berg. Der Aufschlag muss fürchterlich gewesen sein. Ganze Buchen wurden entwurzelt oder umgeknickt, in einem weiten Umkreis waren die Trümmer der explodierten B-26 zu finden. Einzig die beiden Hauptfahrwerke lagen noch beinahe unbeschädigt ausserhalb des Trümmerfeldes. Lt. Reid erlebte den Absturz nicht mehr. Er war zu tief abgesprungen, und sein Schirm öffnete sich nicht mehr. Später wurde seine Leiche in einem Rebberg gefunden. Er war der letzte von 61 amerikanischen Fliegern, die in der Schweiz ihr Leben lassen mussten.
Etwa zur gleichen Zeit, als sich diese dramatischen Ereignisse abspielten, bombardierten die übrigen 37 Marauder das Versorgungsdepot in Kempten. Der Einsatz wurde, wie Aufklärungsfotos zeigten, zu einem vollen Erfolg. Mehrere vollbeladene Eisenbahnwagen, 50 Lastwagen und 25 Baracken fielen den Bomben zum Opfer. Die Einheit erlitt bei dieser Mission keine weiteren Verluste. Für die 387th Bomb Group blieb dies einer der letzten Einsätze, drei Wochen später war der Krieg in Europa zu Ende.

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Absturz Zunzgen
Flugzeugart: Bomber
Flugzeugtyp: B-26 Marauder
Flugzeugbezeichnung: B-26 G
Flugzeugname:
Einteilung: 9th Air Force, 387th Bomb Group, 559th Squadron
Basis: Clastres (F)
Auftrag: Bombardierung
Einsatzziel: Kempten (D)
Rückkehr: in der Schweiz verschrottet
Besatzung: Pilot: Raymond W. Reid, 2nd Lt, im Kampf gestorben
Copilot: Kenneth J. Stear, 2nd Lt
Toggler: Richard J. Bockhahn, S/Sgt
Engineer: Robert L. Mercado, Sgt
Radio: Johnnie F. Jones, Sgt
Gunner: Earl L. Theis, S/Sgt, Deutsche Gefangenschaft
Werknummer: 44-67894
Kennzeichen: TQ-M
Squadroncode:
CH Archiv Nr.: A166
US MACR Nr: 14455
Autor: Hans-Heiri Stapfer
Quelle: Cockpit

 
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